Eine psychische Störung kommt selten allein!

 

Soziale Arbeit als Teil der integrierten Versorgung für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie Psychiaterinnen und Psychiater

 

Ausgangslage

Personen in schwierigen Lebenssituationen leiden überdurchschnittlich häufig an einer psychischen Störung. Dies beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit und kann Auswirkungen auf die emotionalen, kognitiven, interpersonalen und körperlichen Bereiche haben. Zudem werden häufig verschiedene Lebensbereiche (Familie, Beruf, Freizeit etc.) der betroffenen Person berührt. In den im Obsan-Bericht 72 «Psychische Gesundheit in der Schweiz» (2016) erläuterten Ergebnissen, sind psychische Störungen weit verbreitet und zählen zu den häufigsten und zu den am stärksten einschränkenden Krankheiten überhaupt. Gemäss den gesundheitlichen Prioritäten des Bundesrates «Gesundheit 2020» muss das Thema der psychischen Gesundheit angegangen werden. Konkret möchte der Bundesrat die psychische Gesundheit fördern und die Vorbeugung und Früherkennung psychischer Krankheiten verbessern, um die Zahl der Erkrankungen zu reduzieren. Nach Einschätzung dieses Berichtes haben die Einflussfaktoren von ausserhalb einen Anteil von 60%. Der Bundesrat benennt diesbezüglich Themen wie Bildung, soziale Sicherheit, die Arbeitssituation oder das Einkommen, die Umwelt, der Verkehr oder die Wohnsituation.

Der Einbezug der sozialen Einflussfaktoren ist für die Behandlung von Personen mit psychischen Störungen somit unabdingbar und muss deshalb einen Teil des Behandlungskonzeptes darstellen. Dies alles sind Themen, welche die Soziale Arbeit bearbeitet. Aus diesem Grund sind Sozialarbeitende in den meisten Psychiatrischen Kliniken in der Schweiz Teil des interdisziplinären Behandlungsteams. Gemäss dem Bericht der Psychischen Gesundheit in der Schweiz werden jedoch die meisten psychiatrischen Diagnosen von niedergelassenen ambulanten psychiatrischen oder ärztlichen Praxen gestellt. Im Gegensatz zu den Psychiatrischen Kliniken können die niedergelassenen psychiatrischen und ärztlichen Praxen nicht von der Sozialberatung als integrativen Versorgungsbestandteil profitieren.

Ziel dieses Projektes ist es, die Soziale Arbeit als Teil der integrierten Versorgung für psychiatrische und ärztliche Praxen zu berücksichtigen. Konkret könnte dies so aussehen, dass die Sozialarbeitenden bei Bedarf von niedergelassenen Psychiatrie- und Ärztepraxen hinzugezogen werden, wenn es beispielsweise um folgende Themen geht:

Finanzielle Existenzsicherung (Sozialhilfe, Ergänzungsleistung, Lohnfortzahlung, Budgetberatung)

  • Klärung der Sozialversicherungen (IV, KVG, ALV)
  • Berufliche Eingliederung (IV, Zusammenarbeit mit Arbeitgeber)
  • Wohnsituation (betreutes Wohnen, ambulante Hilfestellungen zu Hause)
  • Kindes- und/oder erwachsenenschutzrechtliche Fragestellungen
  • Familiäre Schwierigkeiten
  • Rechtliche Fragestellungen (Arbeitsrecht, Einsprache IV-Vorbescheid, Mietrecht)
  • Triage zu und Vernetzung mit spezialisierten Beratungsstellen

Die Sozialarbeitenden übernehmen das Case Management und stehen – bei Bedarf – mit Dritten in regelmässigem Austausch. Ziel ist es somit, die betroffene Person mit ihrem ganzen System interdisziplinär in den Blick zu nehmen und mit den involvierten Fachpersonen ein umfassendes Behandlungskonzept auszuarbeiten.

Diese Sozialarbeitenden sind in einem Pool zusammengefasst und werde nach Kompetenz, Fachwissen und Verfügbarkeit durch eine Fachperson dem «Fall» zugeteilt.

 

Finanzierung

Folgende Finanzierungsmöglichkeiten sind angedacht:

  • Finanzierung durch Grund- oder Zusatzversicherungen
  • Finanzierung durch die niedergelassenen Psychiatrie- und Ärztepraxen
  • Finanzierung durch die betroffenen Personen
  • Finanzierung durch Gemeinde, Kanton oder Bund
  • Finanzierung durch Stiftungen oder Spenden

Erfolgsfaktoren und Hindernisse

Gemäss den bisherigen Erfahrungen führt eine interdisziplinäre, integrierte und systemische Behandlung der betroffenen Personen zum Erfolg. Hinzu kommt, dass die Gesundheitskosten durch eine ganzheitliche, pragmatische und zielgerichtete Handlungsweise vermindert werden können. Hindernisse dieses Projekts sind einerseits die aktuell noch unklare Finanzierung. Andererseits stellt sich die Frage nach den Ressourcen für dieses Behandlungskonzept der integrativen Versorgung der ambulanten Praxen.  

 

Zeithorizont

Ziel ist es, mit drei bis vier ambulanten Praxen das neuartige Versorgermodell als Pilotprojekt für sechs Monate zu starten. Diese Pilotphase soll durch Gelder von Stiftungen finanziert werden. Das Projekt soll wissenschaftlich begleitet und nach sechs Monaten evaluiert werden. Nach Implementierung der Empfehlungen aus der Evaluation müssen geeignete und längerfristige Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden.

 

Mein Hintergrund

Ich habe Erfahrungen in der klinischen Sozialarbeit (stationär, teilstationär und ambulant) sowie in verschiedenen anderen Bereichen der Sozialen Arbeit. Ich habe mehre Jahre in einer unabhängigen Beratungsfirma gearbeitet, welche einerseits im gesetzlichen Rahmen Mandate übernommen, aber auch betriebliche Sozialberatung angeboten sowie Projekte zur Wiedereingliederung begleitet hat. Seit mehr als einem Jahr habe ich mich selbständig gemacht und biete unterschiedliche Dienstleistungen im Sozialbereich an. In diesem Rahmen widme ich mich ebenfalls Projekten und Themen, bei welchen ich in der Praxis Nachholbedarf und eine innovative Umsetzung sehe.  

 

Literatur

1)   Schweizerische Eidgenossenschaft (Fassung vom 11.03.2016): Die Zukunft der Psychiatrie in der Schweiz. Bericht in Erfüllung des Postulats von Philipp Stähelin (10.3255). https://www.sbk.ch/fileadmin/sbk/pflegethemen/docs/2016_03_11_Bericht_Zukunft_Psychiatrie_DE.pdf

2)   Schweizer Eidgenossenschaft (2013): Gesundheit 2020.

3)   Schweizerische Eidgenossenschaft (2015): Psychische Gesundheit in der Schweiz. https://www.sbk.ch/fileadmin/sbk/pflegethemen/docs/2016_03_11_Bericht_Zukunft_Psychiatrie_DE.pdf

4)   Obsan-Bericht 72 (2012): Psychische Gesundheit in der Schweiz. Monitoring 2016. https://www.obsan.admin.ch/sites/default/files/publications/2016/obsan_72_bericht_2.pdf